CoachingPersönlichkeitsentwicklung

Bist Du schon glücklich oder leidest Du noch?

“Da es sehr förderlich für die Gesundheit ist, habe ich beschlossen, glücklich zu sein.”
-Voltaire

Entscheidung für Glück
juli.gänseblümchen / pixelio.de

Auch Coaches, die anderen Menschen dabei helfen, den Weg zu einem zufriedenen Leben zu finden, sind ja mal unzufrieden und unglücklich. So habe ich in den letzten Monaten auch einige Erfahrungen in meinem persönlichen Leben gemacht/ machen müssen, auf die ich gerne verzichtet hätte und die mich natürlich nicht immer zufrieden gestimmt haben. Ja, an manchen Tagen ist mir auch danach zumute, einfach die Bettdecke über den Kopf zu ziehen und die Welt Welt sein zu lassen. Aber was hilft es? Als ich an einem dieser innerlich grauen Tage auf Ablenkungstour im Buchladen unterwegs war (hilft bei mir garantiert gegen jegliche Art von Blues! ;-), stieß ich auf eine Postkarte mit dem obigen Spruch von Voltaire. “Ja!”, schrie es innerlich in mir, “ja!” Innerlich geschrien, gekauft!

Die Blogparade von Frank Ohlsen zum Thema “Glück” inspirierte mich nun, meine Gedanken zu dieser Entscheidung zum Glücklich sein hier noch einmal zusammen zu tragen.

Das “Ja” zum Glück

Ganz grundsätzlich möchte ich festhalten, dass es für mich tatsächlich eine Entscheidung zum Glücklichsein gibt. Das Gefühl Glück zu empfinden wird schließlich nirgends anders als in mir, meiner Seele, meinem Körper, meinem Kopf, meinem Hirn aufgrund meiner Einstellung und der Bewertungen, die ich vornehme, gebildet. Keinerlei Lebensumstände, Menschen, Rahmenbedingungen sind dafür verantwortlich, ob ich mich glücklich fühle oder nicht. Verantwortlich für mein Gefühl, meine Einstellung, mein Denken und damit auch für das Gefühl des Glücks bin ich ganz alleine. Natürlich gibt es bestimmte äußere Umstände, die einem die Entscheidung zum glücklich sein sehr schwer machen können, aber auch unter widrigsten Umständen kann ich diese Inseln des Glücks finden. Davon bin ich zutiefst überzeugt.

Konkretes (sehr dramatisiertes, hypothetisches) Beispiel:
Kurz nachdem eine Frau von heute auf morgen fristlos entlassen wurde, teilt ihr Mann ihr mit, dass er eine Affäre hat, sich scheiden lassen will. Die Frau erleidet einen Nervenzusammenbruch, besucht ihren Arzt, der sie komplett durchchecken lassen will. Dabei wird ein früher Tumor entdeckt, der operativ entfernt werden kann. Nach drei Monaten Chemotherapie, weiteren drei Monaten Bestrahlungstherapie lebt die Frau nun alleine in einer kleinen Wohnung, weil sie sich das Haus nach der Scheidung nicht mehr leisten kann. Einen neuen Job hat die Frau aufgrund der ganzen ärztlichen Therapie noch nicht gefunden und lebt nun vom Arbeitslosengeld.

Wie wird diese Frau sich fühlen?

Variante 1: Die Frau sieht sich als vom Schicksal gebeutelt an und als Opfer der Lage. Sie fühlt sich von ihrem Arbeitsgeber ausgenutzt, ist berechtigt traurig über den Treuebruch ihres Mannes, weint Tränen über die Schmerzen nach der Operation, trauert um die schönen Haare, die ihr in der Chemotherapie vom Kopf fallen, steigert sich in die Nebenwirkungen der Therapien hinein und fühlt sich nun einsam und unberechtigt von der Welt im Stich gelassen, während sie sich gar nicht mehr aus ihrer kleinen Wohnung traut.

Variante 2: Die Frau entscheidet sich für das Glück – natürlich schwer unter den gegebenen Umständen und mit berechtigten Tagen des Schmerzes, der Trauer und des Verlustes. Gefühle, die sicher auch reinigend ausgelebt werden sollten. Doch im Großen und Ganzen ist sie fast dankbar für diesen Nervenzusammenbruch, den sie ja nur aufgrund der Kündigung und der Scheidungsankündigung ihres Mannes erlitten hat. Denn sonst hätte sie den Arzt nicht aufgesucht und der Tumor wäre viel später oder gar nicht entdeckt worden. Sie entscheidet sich, diesen brutalen Schnitt in ihrem Leben als Neustart zu betrachten, als Rückbesinnung auf das, was ihr wirklich wichtig ist im Leben. Nachdem sie sich von den Schmerzen der OP, der Traurigkeit über den Verlust ihrer Ehe, ihrer Haare und ihres geliebten Hauses erholt hat, strafft sie den Rücken und geht lächelnd ihrem neuen Leben entgegen.

Zugegeben, zwei sehr überspitzte Varianten. Aber in ihnen liegt der Kern der Sache verborgen. Ich kann jeden Tag entscheiden, von welcher Seite ich die Medaille betrachte.

Ich kann den Weg des Glücks wählen oder den Weg des Schmerzes.

Ich möchte hier bitte nicht falsch verstanden werden: natürlich ist es sinnvoll, Traurigkeit, Schmerz, Verlust, Wut etc. zu leben, rauszulassen! All’ diese Gefühle zu leben kann ja auch sehr reinigend sein. Mir geht es um die bewusste Entscheidung, ob ich mich in diesem Gefühl weiter aufhalten möchte oder nicht.

Mir begegnen in meiner Arbeit auch immer wieder Menschen, die schon vor langer Zeit den Weg des Schmerzes eingeschlagen haben, die kaum noch andere Möglichkeiten sehen, weil sie sich so eingebuddelt haben in das Grau, das sie umgibt. Da sehe ich es als meine Aufgabe, wieder andere Wege aufzuzeigen, aus dem Opfer-Dilemma heraus zu führen und andere Möglichkeiten aufzuzeigen. Schon dieser Moment, wo andere Alternativen zum eigenen Empfinden wieder sichtbar werden, ist für viele Menschen der Aufbruch in eine andere Richtung, die Entscheidung zum Glück!

Selbstverständlich ist bei unerklärlichen Traurigkeitsgefühlen, die keinerlei wahren Auslöser kennen, die regelrecht antriebslos machen etc. auch immer die Möglichkeit einer Depressionserkrankung abzuklären, die dann natürlich nicht so einfach zu behandeln ist, wie ich es hier mit meiner Entscheidung zum Glück beschreibe. Da wird es komplexer, doch diese Bereiche möchte ich hier bewusst ausklammern.

Was ist denn eigentlich Glück?

Über diese Frage haben sich wohl schon Generationen von Philosophen, Dichtern, Denkern, Theologen etc. ihre Gedanken gemacht. Doch eine allgemein gültige Antwort kann es hierauf wohl nicht geben, denn dieses empfindet eben jeder Mensch anders. Was biologisch in unserem Körper vorgeht, ist mittlerweile jedoch geklärt.

Über das Glücklichsein gibt es mittlerweile einige tausend Studien. Allen gemeinsam ist, dass Glück als ein intensives, positives Gefühl definiert wird. Das Lustzentrum im Gehirn hat James Olds, Psychologe an der University of Michigan, Ende der 1950er-Jahre entdeckt. Bei Versuchen mit Laborratten war ihm aufgefallen, dass sie die elektrische Stimulation eines bestimmten Gehirnareals mochten. Als sie diese Region per Knopfdruck selbst stimulieren konnten, drückten sie den Knopf so lange, bis sie vor Durst, Hunger und Erschöpfung fast gestorben wären. Schuld war der Glücksrausch.

Wenn etwas geschieht, das besser ist als erwartet, werden die Neuronen im Mittelhirn aktiv: Sie stoßen den Glücksstoff Dopamin aus und leiten ihn ins untere Vorderhirn sowie ins Frontalhirn weiter. Im Vorderhin treibt das Dopamin die dortigen Neuronen dazu an, opiumähnliche Stoffe zu produzieren – und die machen uns euphorisch. Im Frontalhirn führt das Dopamin dazu, dass unser Gehirn besser funktioniert und auch gleich zum Empfinden von Glück geschärft wird: Es steigert unsere Aufmerksamkeit und wir merken uns dieses unerwartete Ereignis, das uns glücklich gemacht hat. So lernen wir, was uns gut tut. Eigentlich ist das Glücksgefühl also nur ein Nebenprodukt unseres Lernvermögens. (aus: BR.de – Themen – Wissen – Happylogie)

Wenn etwas geschieht, das besser ist als erwartet…

Glück empfinden wir also und die ganze chemische Kette kommt ins Laufen, wenn etwas geschieht, das unsere Erwartungen sogar übertrifft. Doch wer entscheidet denn, was wir erwarten?

Und da bin ich wieder bei meiner aktiven Entscheidung zum Glück. Wenn ich selbstbestimmt und aktiv Erwartungsmanagment betreibe, mir keine überzogenen Ansprüche an mich selbst, andere, das Leben im Allgemeinen zulege, werde ich natürlich häufig positiv überrascht und kann mehr Glück empfinden. Da wundert es auch nicht, dass bei einer großen Forschungsreihe als Ergebnis stand, dass die Menschen in einem der ärmsten Länder der Welt, Bangladesch, sich selbst als sehr glücklich einstuften, während Deutschland, eines der reichsten Länder der Welt, am Ende der Glücksleiter zu finden war.

Wie kann ich nun aber ganz konkret glücklicher werden und meine Erwartungshaltung anders managen?

Ich arbeite immer gerne mit so etwas wie einem Glückstagebuch. Das muss kein aufwändiges Szenario sein, dass Du Dir aneignest, sondern lediglich ein Notizbuch, ein selbst aufgesprochenes Memo auf dem Smartphone, ein Post-it, den Du jeden Abend vor Feierabend beschriftest, … anhand der folgenden Fragen:

  • Was hat Dich an diesem Tag gefreut? (z.B. dass der Kollege, dir ungefragt eine Tasse Kaffee mitgebracht hat oder dass es die gute Currywurst in der Kantine zu essen gab oder dass deine Lieblingsschokolade im Supermarkt im Angebot war oder dass heute eindlich nach x grauen Tagen mal wieder die Sonne da war, …)
  • Was hast du heute gut gemacht? (z.B. “Ich habe einfach weggehört als der olle Meyer wieder angefangen hat über seine Chefin abzulästern!” oder “Ich hab die Präsentation heute erledigt, YES!”oder “Ich war pünktlich mit den Kindern beim Kinderarzt – keine Selbstverständlichkeit bei den zwei Rabauken.”, …)

Mit dieser simplen Methode hilfst Du Dir heraus aus dem Grau. Du richtest Deine Aufmerksamkeit auf die Dinge, die positiv sind, statt Dich von negativen Gefühlen anstecken, herunterziehen und in die endlose Spirale von Negativität herabziehen zu lassen. Regelmäßig durchgeführt, kann diese Methode Wunder bewirken und bei der Entscheidung zum glücklich sein ein aktives Stück beitragen.

Ich wünsche also viel Glück beim täglichen Entscheiden für das Glück!

Nachtrag vom 20.03.2015:

Das eBook, das aus den Beiträgen zu diesern Blogparade entstanden ist, steht zum Download bereit.

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8 Gedanken zu „Bist Du schon glücklich oder leidest Du noch?

  1. Liebe Jasmin,
    herzlichen Dank für diesen großartigen Beitrag.
    Dein Beispiel mit der Frau hat mich doch sehr daran erinnert, wie ich zu meiner Entwicklung kam. Denn ich stand Ende 2010 bis etwa August 2011 in einer tiefen Lebenskrise, verursacht durch viel zu viel Arbeit, Ärger bei der selben und Entfernung von meiner Familie.
    Ich entschied mich damals auch von einem Tag auf den Anderen, das ich etwas ändern musste, und fand dadurch die Verbindung zu meiner Frau und meinen Kindern wieder. Es war tatsächlich die Entscheidung “Ich lebe von jetzt an glücklich und zufrieden”
    Glück kommt von innen. So macht dann auch der Spruch “Wir sind, was wir denken. Alles, was wir sind, entsteht aus unseren Gedanken. Mit unseren Gedanken erschaffen wir die Welt.” von Buddha Sinn.
    Herzlichen Dnak für deine Teilnahme an meiner Parade.

    1. Hallo Frank!
      Ja, ich bin ganz Deiner Meinung!
      Schade, dass dummerweise meistens dramatische Ereignisse oder wie Du es erlebt hast, Entfernung von der Familie und ähnliche Ereignisse nötig sind, um uns darauf zu besinnen, was Leben wirklich aus macht und dass das Glück häufig eher in den kleinen Dingen des Alltags liegt, die wir nur allzu oft gar nicht mehr wahrnehmen.
      Ich wünsche Dir weiterhin viel Erfolg dabei und natürlich auch mit Deinem Blog.
      Vielen Dank für die Inspiration durch Deine Parade! 😉
      Liebe Grüße

  2. Hallo Jasmin,

    wow, was für ein schönes Post. Die Idee, sich Notizen über glückliche Momente zu machen, ist toll – denn im Alltag erinnert man sich oft nur an das Schlechte bzw. Negative. Ich glaube, damit werde ich mal anfangen – im Kalender ist ja immer irgendwo ein Stückchen frei *g*

    Viel Erfolg weiterhin mit deinem Blog!

    PS: Ich bin auf deinen Artikel durch die Blogparade von Frank aufmerksam geworden, an der wir auch teilgenommen haben: http://www.lakeballs.de/blog/der-weg-zum-eigenen-ich/

    Liebe Grüße *wink*

    1. Hallo!
      Und vielen Dank für’s Lesen!
      Ich bin gespannt zu hören wie es ggf. läuft mit der Fokussierung auf das Positive 😉
      Liebe Grüße zurück!

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