Wie die Fastenzeit Dir helfen kann selbstbewusster zu werden

40 Tage ohne …

Dieser Spruch ist Dir heute am Aschermittwoch sicher auch schon irgendwo über den Weg gelaufen, oder? Sei es, dass Dir ein Kollege erzählt hat, worauf er in den nächsten Tagen und Wochen verzichten will oder weil es Dir durch das Radio entgegen geschallt ist, dass am heutigen Aschermittwoch die 40-tägige Fastenzeit beginnt.

Für mich hat die traditionelle Fastenzeit nicht etwa unbedingt etwas mit Glauben und/ oder der Kirche zu tun. Diese Zeit kann durchaus aber sinnvoll zu nutzen sein, wenn man an sich und dem Vertrauen in sich selbst arbeiten möchte.

Jeder kann zaubern, jeder kann seine Ziele erreichen,
wenn er denken kann, wenn er warten kann, wenn er fasten kann.
Hermann Hesse in Siddharta

Zu Neujahr hat der eine oder andere vielleicht einen Vorsatz gefasst, Ziele für dieses Jahr gesteckt. Doch wie ist es eben leider oft mit Neujahrsvorsätzen? Diese gehen allzu schnell im Alltag unter. Und was passiert dann in meinem Kopf?

Am Pranger

Oh, wir alle sind dann wahnsinnig gut darin uns selbst fertig zu machen. So ein innerer Dialog könnte in etwa wie folgt aussehen:

„Na, wieder nicht geklappt mit dem Vorsatz, was? War doch klar! Hast Du doch nicht ernsthaft dran geglaubt, dass Du es diesmal schaffst, das durchzuziehen, oder? Du bringst doch NIE was zu Ende. Du Lusche!“

Kommt Dir das in dieser oder einer ähnlichen Form bekannt vor?

Was macht wohl solch eine innere Herabsetzung auf Dauer mit uns selbst? Sie führt dazu, dass wir uns schlecht, klein und unausstehlich fühlen. Sicher nicht unbedingt geeignet, um mit einem starken Vertrauen in sich selbst und die eigenen Fähigkeiten durch’s Leben zu gehen.

Doch was ist eigentlich tatsächlich nur passiert? Mein Verhalten hat nicht dem Ziel, dem Vorsatz entsprochen. Als Person bin ich aber nicht anders geworden, dadurch dass ich mich vielleicht nicht daran gehalten habe z.B. jeden Mittag eine halbe Stunde spazieren zu gehen. Ich bin immer noch genauso liebenswert, genauso gut in den Bereichen, die mir im Leben gelingen und kann immer noch bestimmte Dinge eben nicht so gut. An mir als Person hat sich nichts verändert, lediglich mein Verhalten war nicht optimal bezogen auf das von mir zu Neujahr gesteckte Ziel.

Kontinuierlicher Verbesserungsprozess (KVP) auch für’s Arbeiten am Selbst

Unternehmen arbeiten schon lange in diesen sogenannten kontinuierlichen Verbesserungsprozessen. Wieso begreifen wir uns und unser Leben nicht auch als einen kontinuierlichen Verbesserungsprozess?

Der Begriff KVP kam in den 80er Jahren im Rahmen von Kaizen von Japan nach Deutschland. KVP oder der kontinuierliche Verbesserungsprozess charakterisiert die stetige Verbesserung der Produkt-, Prozess- und Servicequalität. Dabei arbeiten die Mitarbeiter eigenständig in ihren Abteilungen und Teams an laufenden Verbesserungen in ihrem Verantwortungsbereich (Qualitätszirkel) und in ihrem Umfeld. Die kleinen Verbesserungen jeglicher Art stehen im Vordergrund. (aus: KVP – Kaizen)

Die vor uns liegenden 40 Fastentage können also so etwas darstellen wie eine Neujustierung auf das von mir angestrebte Ziel. Wieso soll ich jetzt schon wieder alles hinwerfen, nur weil mein Verhalten in den letzten Tagen nicht meinem Ziel entsprochen hat? Stell‘ Dir vor, kleine Kinder würden nach dem dritten Plumps auf den Hosenboden aufhören, das Laufen erlernen zu wollen. Wäre es so, würden wir alle uns kriechend vorwärts bewegen. Aber nein, Kinder lassen sich von kleinen Mißerfolgen nicht erschüttern. Sie richten sich immer wieder auf, steuern ihr Ziel aufs Neue an bis sie wieder auf den zumeist noch gut gepolsterten Windelpo fallen. Machen wir es doch genau so!

Hinfallen, Krone richten, aufstehen, weitermachen!

Die nächsten 40 Tage können ein erneuter Versuch sein, mit sich selbst eine Verpflichtung einzugehen. Entweder auf etwas zu verzichten oder ein bestimmte Handlung zu vollführen. Diese Selbstverpflichtung und die damit einhergehende Disziplin (da, ich hab‘ es geschrieben, das böse Wort mit D!) kann uns darin bestärken, dass wir uns selbst vertrauen können und damit eine solide Grundlage legen für ein neu erstarktes Selbstbewusstsein. Frei nach dem Motto: Wenn ich das durchgehalten habe, dann kann ich alles schaffen!

Für mich begann das Jahr mit einem Vorsatz, den ich eingehalten und sogar übererfüllt habe. Ich habe mich an einer 30 Tage Yoga-Challenge beteiligt. Seit dem 01. Januar habe 30 Tage am Stück jeden Tag Yoga gemacht. Und am 31. Januar habe ich für mich den Entschluss gefasst, diese tägliche Übung nicht mehr missen zu wollen. Bis heute habe ich lediglich an zwei Tagen keine Yoga-Praxis in meinen Tag integrieren können – und ich habe es an diesen Tagen schmerzlich vermisst. Diese disziplinierende Übung hat mir zweierlei gebracht: das Vertrauen in mich, dass ich Dinge, die ich mir vorgenommen habe auch wirklich erreichen kann und viel mehr Beweglichkeit, Kraft und innere Ausgeglichenheit.

40 Tage ohne Meckern – meine Herausforderung

Hier schließt sich jetzt auch mein persönlicher Vorsatz für die nächsten 40 Tage an: 40 Tage ohne Meckern! Um zu mehr innerer Ruhe zu kommen, Menschen in meiner Umgebung nicht mit meinem inneren Unzufriedenheitsgefühl zu belästigen.

Und damit hoffe ich mir beweisen zu können, dass ich zaubern kann, dass ich meine Ziele erreichen kann, wenn ich nur warten kann, meinen Mund halten kann, sozusagen Worte fasten kann.

Und, was nimmst Du Dir vor für die nächsten 40 Tage? Worauf verzichtest Du bewusst und beweist Dir damit selbst, dass Du Dir selbst und Deiner Selbstverpflichtung vertrauen kannst? Ich bin gespannt von Dir zu hören, worauf Du verzichten willst in den nächsten 40 Tagen und vor allem auch wie es läuft.

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