Stress als Komfortzone?

In der Regel empfinden wir Stress als unangenehm. Doch Stress kann sich auch als seltsam angenehm anfühlen, da wir ihn halt kennen und ihn auch als Ausrede benutzen können. Lies heute, mit welchem einfachen Mittel es Dir gelingen kann zu entspannen.


Schon seit Anfang des Jahres baute er sich drohend vor mir auf: der April mit unzähligen Terminen, Seminaren, Reisen durch ganz Deutschland und viel zu vielen Zusagen, die ich getroffen hatte, obwohl klar war, dass es fast unmenschlich sein würde, es zu schaffen. Und dann kam noch der kleine Gehweg-Unfall vom Anfang des Monats hinzu, der mich extrem entschleunigte, mir klar machte, dass alles auch langsamer gehen würde – irgendwie – es aber sicher nicht leichter machen würde, meinen eigenen inneren Ansprüchen zu genügen.

Stress von außen ist weniger schlimm als der Druck, den wir uns selbst machen

In der Forschung würde man nun sagen, dass es sich hier also um Stressoren handelt, die von außen kommen.

Ein Großteil des Problems war allerdings sicher schon, dass ich schon seit Wochen mit einem unguten Gefühl auf diesen Monat geschaut hatte. Der größte Druck entsteht nämlich genau genommen gar nicht durch die Stressoren selbst, sondern wie wir sie bewältigen. Die Forschung sagt, dass 90 % des empfundenen Stresses alleine dadurch entstehen wie wir selbst die Stressoren bewerten.

Als 1. Hilfe würde also tatsächlich das gute alte „Ich schaff das schon!“ oder „Die Welt wird nicht untergehen, wenn ich was nicht schaffe!“ helfen.

Doch wieso einfach, wenn es auch kompliziert geht?

Selbstverständlich ist es einfacher die Verantwortung abzugeben und von vorn herein zu glauben, dass man es ja eh nie schaffen wird –  denn wenn etwas nun tatsächlich nicht geklappt hätte, hätte ich natürlich die einfache Erklärung gehabt, dass der Stress eben einfach zu viel war.

Ganz klassisch kann man dieses Phänomen bei sich beobachten, wenn man z.B. einen Achtsamkeitskurs besucht hat und nun die Übungen im Alltag regelmäßig anwenden will. Doch wie schnell hört man sich sagen „Ich hatte keine Zeit zu üben.“ Man hat also keine Zeit etwas gegen den Stress zu tun, weil man zu viel Stress hat. Klar, es ist ja auch vertrauter, wenn man sich einfach im vertrauten Stress aufhalten kann statt etwas neues und ungewohntes einzuüben. Der Stress wird auf diese Art und Weise zu einer seltsam beruhigenden Komfortzone, in der wir uns damit trösten können, dass die Daueranspannung uns eben davon abhält, gut zu arbeiten und das Leben zu genießen.

Denke nicht an all das Negative, sondern behalte ei Auge für all das Schöne, das es gibt.
-Jüdische Weisheit

 

Dieser Stress erlaubt uns auch, uns Dinge zuzugestehen, die unser Stresslevel nicht unbedingt mindern, uns aber in unserer Komfortzone einrichten lässt: so hören wir uns vielleicht schnell mal sagen „Das wird mir heute alles zuviel!“, wenn es um den gemeinsamen Drink mit den Kollegen nach Feierabend geht – obwohl uns dies vielleicht weitaus mehr entspannen und uns mehr geben würde als direkt auf dem Sofa zu Hause zu versacken.

Übrigens: ich habe den April überlebt! Mein lädierter Fuß zwang mich zu einem langsameren Tempo, ich hetzte nicht von A nach B wie ich es sonst tun würde, sondern habe mir Pausen gegönnt, meditiert und Yoga gemacht soweit es der Fuß zuließ. Und mit dieser entspannteren Einstellung gelang es mir einfach häufiger zu sagen „Ach, das wird schon, ich krieg das schon hin!“ Und siehe da….

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