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Stress als Lebenssinn

In den letzten Wochen war ich abgetaucht; abgetaucht in Arbeit, Aufträgen, Reisen quer durch Deutschland (Kiel – Hamburg – Basel – Freiburg – Basel – Hamburg – Kiel innerhalb von 40 Stunden sind dabei nur das Highlight meines Herbstes), Coaching-Stunden in meiner Praxis in Kiel und Vor- und Nachbereitung in meinem Home-Office!

Lebenssinn: Stress?

Dabei kann einem schon mal der Gedanke kommen, man sei nur soviel wert, wie man auch arbeitet, sich aufreibt, sich anstrengt für seine Kunden, Klienten, Auftraggeber. Stress als Lebenssinn scheint eine derzeit weit verbreitete Epidemie zu sein, der ich selbst nur allzu oft erliege. Da setzt es dann ein, das einerseits verhasste, andererseits aber eben auch ganz bequeme Hamsterrad, in dem wir uns bewegen. So bequem wird es, weil durch die ständige Ausschüttung von negativen Stresshormonen unser Gehirn umgebaut wird. Wir sehen die Welt nur noch durch eine Brille der Anspannung, der Inhalt unseres Lebens wird bestimmt durch Sorgen, ToDo-Listen und Baustellen. Ein entspanntes Leben scheint völlig unvorstellbar, schließlich sind wir auf ständige Optimierung, Effizienz und Leistungsverbesserungen gepolt.

hamsterrad ausstieg

So erging es auch mir als sich der eigentlich ausgebuchte Dezember durch Absagen von drei Aufträgen auf einmal als der entspannte Monat offerierte, den ich mir seit Jahren gewünscht hätte. Theoretisch hatte ich auf einmal Zeit für das liebevolle Aussuchen von Geschenken für die Menschen in meinem Leben, die mir wichtig sind; für das Backen von Weihnachtsplätzchen; für entspannte Lese-Nachmittage…. Doch was tat ich? Ich lud meine ToDo-Liste voll mit den Dingen, die ich schon ewig anpacken wollte, saß morgens um 8 Uhr an meinem Schreibtisch, rackerte mich ab, um mir dann gegen 15 Uhr einzugestehen, dass ich einfach auch ausgebrannt bin und ein wenig Entspannung durchaus verdient hätte… Statt dies gleich von Vornherein auf den Zettel zu nehmen als Hauptaugenmerk!

Der Wissenschaftsautor Hilmar Klute schreibt dazu in seinem Buch “Wir Ausgebrannten. Vom neuen Trend, erschöpft zu sein”:

“Ein Mensch, der nicht mit den Anforderungen seines Büroalltages zurechtkommt, brennt nicht deshalb aus, weil er keine gescheiten Ablagefächer oder Hängeordner hat. Er brennt aus, weil er keine gescheite Gegenwelt im Kopf hat, die ihm hilft, das Wichtige vom Banalen, das Richtige vom Falschen zu trennen… Er brennt aus, weil er seine Lebensperspektive auf sich selbst verengt hat.”

Auch ich hatte keine geeignete Gegenwelt im Kopf, keine Idee von einem Leben ohne Termine, ohne Deadlines, ohne fixe Reisen- und Kunden-Termine. Diese musste ich mir erst erschaffen! Denn tatsächlich ist es ja so, dass mein Leben nicht erst lebenswert und ich selbst nicht erst liebenswert werde durch meine Arbeit und die Erfüllung der Wünsche meiner Kunden und Auftraggeber. Nein, ich habe in meinem Leben auch einen reinen Selbstsinn, Selbstzweck.

Selbstverwirklichung durch Arbeit?

Seit dem späten 20. Jahrhundert haben wir angefangen, den Wunsch nach Selbstverwirklichung gleichzusetzen mit Arbeit und dem Finden von Erfüllung durch Arbeit. Dabei finden wir einen großen Teil der Selbsterfüllung doch gar nicht durch die Arbeit, sondern Dinge, die unsere Seele erfüllen wie Hobbys, Menschen in unserem Leben, Themen, die uns wichtig sind oder schlicht dem Müßigang, der lange in der Menschheitsgeschichte als das größte Ideal angesehen wurde, während Arbeit ein notwendiges Übel war.

Doch aus welchem Grund erscheint es uns so schwierig, diese Gegenwelt zu erschaffen, die uns doch ggf. viel mehr erfüllen würde als es die Arbeit täte?

Weil wir in und durch die Arbeit natürlich eine gewisse Form von Anerkennung erhalten oder dieser Anerkennung eben häufig auch lange hinterherrennen müssen, während wir beim reinen Müßiggang oder unseren Hobbys diese Art der Anerkennung natürlich nicht erhalten würden. Anerkennung durch die Gesellschaft, Anerkennung durch Leistung für die Gesellschaft, Anerkennung in einem sozialen Gefüge ist schließlich eines der Grundbedürfnisse des Menschen, das wir durch die Arbeit ggf. erfüllt sehen.

Challenge für 2016

Ich persönlich habe mir für das Jahr 2016 vorgenommen, dieser Form von Anerkennung nicht mehr hinterher zu rennen, auszusteigen aus diesem Hamsterrad und stattdessen lieber die Anerkennung und Selbsterfüllung in dem zu finden, was mir für mein Leben wirklich wichtig ist. Nicht um keine gute Arbeit mehr zu machen, aber um diese übertriebene Erwartungen an meinen Job und mich abzulegen und stattdessen neue Werte und Ideen in mein Leben zu lassen. Ideen für eine Gegenwelt, Ideen für die Person zu bekommen, die ich eigentlich wäre, wenn ich mir den ganzen Stress nicht machen würde.

Wer hat Lust mit mir einzusteigen in ein stressfreies 2016, das nicht mehr nach Anerkennung von außen heischt, sondern sich auf das besinnt, was das Herz für unser Leben will? Ich freue mich auf Rückmeldungen, Kommentare und Feedbacks zu meiner Challenge für das Jahr 2016!

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