Visionen? Damit solltest du aber schnell zum Arzt!

Zum Beginn eines Jahres ist es für viele Menschen obligatorisch, sich mit den Zielen für das vor ihnen liegende Jahr zu beschäftigen. Auch wenn dieses Jahr bereits wieder drei Wochen auf den Schultern hat, ist es nicht zu spät, sich Gedanken über die Dinge zu machen, die du in diesem Jahr erreichen willst. Für mich als Coach ist die Auseinandersetzung mit Zielen ein wichtiger Bestandteil meiner täglichen Arbeit. Deshalb mache auch ich persönlich mir natürlich regelmäßig Gedanken über dieses Thema. Bereits in vorhergehenden Blog-Artikeln (Ziele sind die Leitplanken des Handelns + 7 Tipps, damit die Neujahrsvorsätze sich nicht in Luft auflösen) habe ich dazu ein paar meiner Gedanken mitgeteilt. Angeregt von Christian Bosserts Blogparade ist es aber sicher noch nicht zu spät, dieses wichtige Thema erneut zu beleuchten.

“Wenn das Leben keine Vision hat, nach der man strebt,
nach der man sich sehnt, die man verwirklichen möchte,

dann gibt es auch kein Motiv, sich anzustrengen.
-Erich Fromm (1900-1980), amerik. Psychoanalytiker dt. Herkunft

Definition von Zielen

Zur Definition von Zielen eignet sich meines Erachtens immer wieder das mittlerweile sehr bekannte SMART+-Prinzip. SMART+ bildet dabei eine Eselsbrücke für die einzelnen Kriterien, denen das Ziel entsprechen sollte. Diese sind:

  • S = spezifisch und konkret! (Was genau willst du am Ende des Jahres erreicht haben und was willst du ganz genau dafür tun, um es zu erreichen?)
  • M = messbar! (Woran erkennst du, dass du dein Ziel am Ende des Jahres erreicht hast? Was genau hat sich verändert? Was genau ist passiert?)
  • A = attraktiv! (Was ist überhaupt dein Beweggrund das Ziel erreichen zu wollen? Was reizt dich daran? Welches tieferliegende Motiv gibt es dafür?)
  • R = realistisch! (Wer hat es überhaupt in der Hand, dass du das Ziel erreichen kannst? Kannst du dies allein bestimmen oder hängt es von anderen ab? Wie groß ist die Realisierungsmöglichkeit? Wer ist noch davon betroffen? Welche Auswirkungen hätte das Erlangen auf meine Umgebung? Welche Ressourcen benötige ich und stehen mir diese zur Verfügung?)
  • T = terminiert! (Bis wann soll das Ziel erreicht sein? Welche Schritte machst du wann genau, um es zu erreichen? Wann legst du los?)
  • + = positiv formuliert! (Formuliere aus, WAS du tun willst – nicht das, was du ggf. nicht mehr tun willst! Denn in deinem Gehirn setzt sich fest, was du dir vorstellst und da willst du doch sicher das erreichte Ziel visualisieren und nicht den Notstand aus dem heraus du ggf. handelst, oder?)

Du siehst, wenn man sich zu jedem kleinen Ziel, das man in diesem Jahr gerne erreichen will, mit den o.g. Fragen intensiv auseinandersetzt, ergibt sich daraus fast so etwas wie ein konkreter Handlungs- oder fast schon Projektplan.

Regelmäßiger Check-Up – nicht nur beim Arzt!

Viele Menschen sagen natürlich, dass das Vorgehen nach dem o.g. Prinzip nicht funktioniert. Wenn ich da genauer nachfrage, liegt es aber zumeist entweder daran, dass die Formulierung nicht exakt genug an den obigen Vorgaben entlang entstanden ist. Oder ganz einfach daran, dass zwar nach dem obigen Prinzip vorgegangen wurde, aber dann nichts mehr passiert ist. Nichts passiert heißt in dem Fall, dass der Zettel mit den wohlgemeinten Zielen einfach in einer Schublade verschwunden ist und am Ende des Jahres erinnert man sich vielleicht an die Ziele, um festzustellen, dass man ja gar nichts dafür getan hat, geschweige denn, dass man noch weiß, wo denn der verdammte Zettel abgeblieben ist… geht es dir auch so?

Tja, leider funktionieren wir Menschen oft so. Scheinbar glauben/ hoffen/ wünschen wir uns immer noch, dass die gute Fee irgendwann einmal vorbei kommt und uns alle unsere Wünsche erfüllt. Doch dummerweise ist es einfach sicherer, nicht auf die Fee zu warten, sondern selbstbestimmt an dem Leben zu arbeiten, dass du dir wünscht. Deshalb empfehle ich dir für deine Ziele einen regelmäßigen Check-up! Wahrscheinlich gehst du auch 1-2x im Jahr zum Zahnarzt, egal ob etwas weh tut oder nicht. Noch regelmäßiger solltest du dich mit deinen Zielvorstellungen auseinandersetzen:

  • Ich empfehle mindestens monatliche Reviews. Erstens weißt du da immer noch, in welcher Schublade der Zettel mit den Zielvorstellungen verschwunden ist und zweitens lassen sich monatlich ggf. erste Erfolge festhalten, Modifikationen am was und wie einplanen etc.
  • Wöchentlich solltest du dann bei der Berücksichtigung deiner Termin- und Wochenplanung natürlich auch dein Ziel im Auge behalten.

Oder glaubst du Reinhold Messner hätte den Mount Everest bestiegen, wenn er nicht irgendwann einmal losgegangen wäre und vorher eine langwierige Planung kontinuierlich voran getrieben hätte?

Tools, Tools, Tools….

Ob und welcher Einsatz von Tools für dich sinnvoll ist, hängt natürlich von der Menge und Größe deiner Ziele ab. Sicher ist es ein Unterschied, ob du als Privatmensch für dich zwei/ drei Dinge in deinem Leben ändern willst oder ob du als Geschäftsmensch mit deinem Unternehmen Projekte und Ziele zum Unternehmensfortschritt vorantreiben willst von dem ggf. mehrere Mitarbeiter betroffen sind.

So kann als Tool mein oben bereits besagter Zettel ausreichen.

Ggf. benötigst du aber auch eine Projektplanungs- und -verwaltungssoftware.

Diese Frage ist also schwierig zu beantworten. Ich persönlich LIEBE Evernote als Verwaltungssystem für meine persönlichen Ziele und meine beruflichen Planungen. Evernote sammelt und speichert dabei meine ganz konkrete Vorgehensweise, wie auch Ideen und Inspirationen hierzu. Es ist ein massives Tool, das dich bravourös unterstützen kann. Bei mir ist Evernote so etwas wie die Schaltzentrale für mein tägliches Arbeiten! (Ich erhalte für diese Aussage in keinster Art und Weise eine Provision von Evernote – dies ist meine persönliche und unabhängige Meinung.) Außerdem erinnert mich Evernote monatlich an mein Ziel-Review und in von mir zu verwaltenden Abständen auch an die konkreten Handlungsschritte, damit ich mein Ziel erreiche. Du merkst, meine Begeisterung für dieses Tool schlägt Wellen! 😉

Wunderbare Hilfestellungen für Evernote bietet übrigens der Blog von Thomas Mangold.

Coaching – als sinnvolles Analyse- und Motivationstool beim Erreichen deiner Ziele

Nicht zuletzt ist es natürlich mein Job als Coach mit Menschen an ihren Zielen zu arbeiten. Nicht anders verstehe ich eben meinen Beruf – du hast ein Ziel und ich unterstütze  dabei in der Erreichung. Manchen Menschen reichen schon ein/ zwei intensivere Coachingsitzungen am Anfang, um sich dann im Laufe des Jahres immer mal wieder einen kleinen “Kick” bei mir abzuholen. Ich als Coach fungiere dann als Instanz vor der man sich rechtfertigen muss/ darf, neuer Ideengeber, erinnere an gewählte Wege, hinterfrage, rege zur Reflexion des gewählten Weges an etc.

Worauf wartest du also noch – das Leben ist schließlich keine Generalprobe!

Und die Visionen – was war noch mal mit denen?

Es scheint fast sogar: je mehr über die Vision geredet wird, desto weniger wird sie gelebt. Und: Da Ziele nicht mehr so sexy sind, wird gerne über Visionen geredet. Die haben etwas Magisches. Ziele sind dagegen viel zu langweilig geworden. Doch genau das ist der Fehler. Ziele sexy machen, das ist die Kunst! “Selbst der längste Weg beginnt mit einem Schritt”, heißt es bei Laotse. Wer diesem zum Kalenderspruch mutierten Satz oberflächlich abhakt, irrt gewaltig. Denn er enthält eine tiefe Erkenntnis. Laotse benennt beides: den längsten Weg (Ziel/ Überblick) und den Schritt (Hier und Jetzt/ Detail). Er gibt uns eine klare Orientierung: Wisse, wohin Dein Weg gehen soll, und schaue vor Dir auf den Weg. […] Ziele können Ihre Schritte beflügeln, aber gehen müssen Sie dennoch Schritt für Schritt. Wer auf dem Weg eine Vision findet, der danke Gott.” (aus: wirtschaft + weiterbildung 05/2014, Managementtrainer Boris Grundl)

Dem habe ich nichts hinzuzufügen!

Welche Erfahrungen hast du mit dem Vereinbaren von Zielen gemacht? Welche Rituale pflegst du dazu? Ich bin gespannt auf deine Meinung zu diesem Thema!

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