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Gib dem Leben Leichtigkeit: Geduld

An den Hauptpunkten eines Vortrages mit dem Titel „Gib dem Leben Leichtigkeit!“ von Sabine Asgodom (berühmte Coach und Autorin), den ich im letzten Jahr in Hamburg erleben durfte, lasse ich Dich mit dieser Serie teilhaben. Start dieser Blog-Serie war das Thema „Achtsamkeit – Meditation im Alltag“. In den letzten Monaten waren die Balance im Leben und die Einfachheit im Leben weitere Themen. Heute beschäftige ich mich mit der Geduld!


Geduld

Geduld ist eine Tugend

Dass Geduld eine Tugend sei, haben wir wahrscheinlich alle schon einmal gehört. Doch im stressigen Alltag fehlt uns diese Geduld nur zu oft und das geduldige Warten bringt uns häufig zur Weißglut. Doch was hat es eigentlich auf sich mit dieser Tugend?

Der Duden definiert Geld als “Ausdauer im ruhigen, beherrschten, nachsichtigen Ertragen oder Abwarten von etwas”. Und gerade daran fehlt es eben im hektischen Tagesablauf oft genug, ruhig und beherrscht etwas abzuwarten oder zu ertragen. Schließlich hat ein Großteil unseres Lebens etwas mit Warten zu tun. Wir warten im Stau, auf den Bus, die U-Bahn oder den Aufzug. Wir warten in überfüllten Arztpraxen, wir warten an der Supermarktkasse und in der Telefon-Warteschleife. Und oft müssen wir mehr als “einen Augenblick Geduld” haben bis unser Gegenüber erreichbar ist. Ich habe zum Beispiel bei einem international operierenden Unternehmen gerade 15 Minuten in der Warteschleife für den deutschsprachigen Kunden-Support verbracht bis es mir zu bunt wurde und ein erneuter Anruf beim ‘normalen’ englisch-sprachigen Support bereits nach kurzer Wartezeit zum gewünschten Gesprächsergebnis führte. Denn dieses Thema ist eines meiner großen Lernfeler in diesem Leben – aber dazu später mehr.

In der buddhistischen Tradition ist Geduld eine der „Vollendungen“, in denen sich ein Bodhisattva übt und die er praktiziert, um vollendete Erleuchtung (Bodhi) zu erlangen. Im Sanskrit als Kshanti bezeichnet, ist es die Praxis, Geduld gegenüber Verhaltensweisen oder Situationen, die es nicht unbedingt zu verdienen scheinen, zu üben – es wird als eine bewusste Wahl betrachtet, aktiv Geduld zu geben, als ob es ein Geschenk wäre, anstatt unter einem Druck zu stehen, durch den man sich zur Handlung verpflichtet fühlt.

In der christlichen Tradition ist Geduld eine der sieben Tugenden. Paulus in Galatien führt Geduld als eine der „Früchte des Geistes“ auf: „Liebe, Freude, Frieden, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Selbstbeherrschung. Gegen diese Dinge gibt es kein Gesetz.“ (Galater 5:22)

In der islamischen Tradition ist Geduld die beste und wertvollste Tugend im Leben. Einige der Koranverse über Geduld ermahnen die Muslime „Gottes (Allahs) Hilfe mit geduldiger Beharrlichkeit und Beten zu suchen“ (2:45). Es ist vermerkt, dass „keinem solche Güte gewährt wird außer denen, die sich in Geduld und Selbstbeherrschung üben, keinem außer Personen des größten guten Glücks“. (41:35)

Im Judentum sind Geduld und Selbstdisziplin grundsätzliche moralische Werte. In der hebräischen Bibel wird in verschiedenen Sprichwörtern auf Geduld verwiesen, einschließlich desjenigen, das die Macht der Geduld aufzeigt „ein geduldiger Mann ist besser als ein Krieger, und derjenige, der sein Temperament beherrscht, ist besser als der, der eine Stadt erobert.“ (Sprichworte 16:32)

Im Hinduismus ist Geduld in der Bhagavad Gita erwähnt „..unter weiblichen Eigenschaften bin ich Ruhm, Schönheit, edle Rede, Erinnerung, Intelligenz, Standhaftigkeit und Geduld.“ (10:34)

Es gibt ein Gelassenheitsgebet von Augustinus, das lautet so:

„Lieber Gott, gib mir die Kraft, die Dinge zu verändern, die ich verändern kann und die Gelassenheit, die Dinge zu ertragen, die ich nicht verändern kann. Und gib mir die Weisheit, das eine von dem anderen zu unterscheiden.“ (Augustinus)

Das “Bitte-Warten-Spiel” gewinnen

Kaum ein Tag, an dem wir nicht auf irgendwas oder irgend jemanden warten! Und entweder Du lässt Dich von dieser Warterei fertig machen oder Du gewinnst das Spiel!

Wenn wir etwas ändern möchten, dann haben wir generell drei Möglichkeiten: Wir können die Situation im Rahmen unserer Möglichkeiten verändern (Change it). Wenn das nicht möglich ist, dann können wir die Situation beenden (Leave it). Und wenn dies auch nicht möglich ist, dann müssen wir die Situation eben so hinnehmen wie sie ist (Love it). Ich nenne diesen oft bemühten Spruch von “Love it, Change it or Leave it!” auch gerne den Dreisatz des Lebens, denn er ist auf so viele Lebenssituationen anwendbar.

Beim “Bitte-Warten-Spiel” können wir versuchen, die Situation zu verändern, so wie ich es zum Beispiel bei meiner Telefon-Warteschleife getan habe. Da ich nicht mehr warten wollte, habe ich versucht, die englischsprachige Hotline zu erreichen, wozu ich zwar mein Englisch bemühen musste, aber dafür schneller zum Ziel kam. Situation geändert, Geduldsspiel verkürzt! Alternativ wäre es natürlich auch möglich gewesen, meinen Telefonwunsch einfach ad acta zu legen – dies wäre dann die “Leave it”-Variante gewesen.

Immer wieder sind wir aber ja auch Situationen ausgesetzt, wo wir unsere Geduld stark beanspruchen müssen, weil sich die Sache eben nicht ändern oder verlassen lässt. Das perfekte Beispiel ist dafür natürlich der Verkehrsstau auf der Autobahn. Wie habe ich mich früher immer aufgeregt, wann ich im Stau stand, doch was ändert das? Nichts!

Sabine Asgodom hat dies in ihrem Vortrag ebenfalls gut auf den Punkt gebracht:

“Sie stehen nicht im Stau, Sie sind der Stau!” (Sabine Asgodom)

Verbringe Deine Zeiten, in denen Du warten musst und Deine Geduld auf die Probe gestellt wird, doch einfach sinnvoll: so kann man zum Beispiel immer etwas zum Lesen dabei haben oder Musik hören, um zu entspannen. Oder Du nutzt diese Zeit “produktiv”, um Deine Einkaufsliste zusammenzustellen, Deine “To Do”-Liste zu aktualisieren oder ein paar E-Mails zu beantworten. All’ das ist heuzutage mit den modernen Kommunikationsmitteln und technischen Möglichkeiten ja gar kein Problem mehr.

Geduld – auch meine Lernaufgabe

Diese Tugend ist auch eine meiner größten Lernfelder in diesem Leben, wobei ich sagen muss, dass ich hier schon viel dazu gelernt habe, wenn ich daran denke wie ich noch vor 20 Jahren damit unterwegs war. 😉

So habe ich auf jeden Fall erkannt, dass Warten keine verschenkte Lebenszeit ist, wie ich es früher oft betitelte, sondern eine Möglichkeit bietet: zum Innehalten, zum Sortieren, zum Entspannen oder eben auch zum Erledigen von Dingen zu denen man sonst nicht kommt.

Da ich viel reise, warte ich ständig irgendwo: auf der Autobahn auf das Ankommen an meinem Zielort, im Stau auf das reibungslose Fließen des Verkehrs, auf Flughäfen auf das Boarding etc.
Im Auto bin ich ein riesiger Fan von Hörbüchern geworden, die es mir ermöglichen, viele Bücher zu “lesen”, während ich Auto fahre – außerdem scheinen diese Hörbücher magische Kräfte zu haben, denn mit ihnen vergeht die Fahrtzeit viel schneller. Die Wartezeiten an Flughäfen sind für mich – anders als früher – lieb gewonnene Pausen im hektischen Alltag: sitzen, beobachten, atmen, was lesen, das eine oder andere Telefonat mit lieben Menschen führen. Da kommt der Boarding-Aufruf schon manchmal fast zu früh!

Jetzt bin ich gespannt von Dir zu erfahren, was Deine Wartezeiten verschönert, so dass Deine Geduld gar nicht strapaziert werden muss. Sondern dass Wartezeiten Potenzial bieten – für was nutzt Du sie?

In diesem Sinne: Love it, Leave it  or Change it!
Jasmin*

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